Der Rothirsch ist Teil der alpinen Landschaft Graubündens.
Jedes Jahr werden im Rahmen der alpinen Hochjagd in Graubünden Rothirsche erlegt. Das Fleisch wird genutzt, die Häute hingegen bleiben in der Regel ungenutzt und werden entsorgt. Dabei lässt sich daraus ein hochwertiges, vielseitig einsetzbares Leder herstellen.
Warum also wird ein vorhandener Rohstoff kaum genutzt? Und was braucht es, damit aus den Häuten ein Material entsteht, das für Schuhe, Accessoires und andere langlebige Produkte eingesetzt werden kann?
Ein Rohstoff, der bisher kaum genutzt wird
Die Hochjagd gehört in Graubünden seit Generationen zur regionalen Kultur. Sie ist gesetzlich geregelt und dient unter anderem der Regulierung der Wildbestände. Während Wildfleisch seinen festen Platz in der regionalen Lebensmittelversorgung hat, sieht es bei den Häuten anders aus: Für ihre Verarbeitung fehlen vielerorts die entsprechenden Sammelstrukturen und Absatzmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass Wildhäute nicht in denselben standardisierten Mengen und Qualitäten anfallen wie beispielsweise Rinderhäute aus der Landwirtschaft.
Dabei ist die Haut ein wertvoller Rohstoff. Sie lässt sich gerben und zu einem langlebigen Material verarbeiten. Wird sie entsorgt, geht diese Möglichkeit verloren. Für uns bei CORII stellt sich deshalb eine einfache Frage: Wenn die Tiere bereits im Rahmen der Jagd erlegt werden, weshalb sollten wir ihre Häute nicht ebenfalls nutzen?
Von der Hirschhaut zum Leder
Aus einer Rohhaut wird nicht von allein ein hochwertiges Leder. Zwischen der Jagd und dem fertigen Material liegen zahlreiche Arbeitsschritte. Die Häute müssen sorgfältig abgezogen werden, und nach dem Abziehen sorgfältig behandelt und rasch konserviert werden. Bereits hier entscheidet sich, ob sie später für die Lederherstellung geeignet sind. Beschädigungen, unsachgemässe Lagerung oder eine späte Konservierung können die Qualität erheblich beeinträchtigen, die Haut sogar ganz unbrauchbar machen.
Anschliessend werden die Häute bei uns in Oberdiessbach sortiert und in unserer Partner-Gerberei verarbeitet, wo sie rein pflanzlich gegerbt wird. Weitere Arbeitsschritte bestimmen die Weichheit, Stärke, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit des fertigen Leders.
Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, eine geeignete Gerberei zu finden. Es braucht eine funktionierende Lieferkette, von der Sammlung und Konservierung der Häute bis zur Verarbeitung und Bereitstellung des fertigen Materials.
Genau hier setzt unsere Arbeit bei CORII an.
Von der Bündner Hirschhaut zum fertigen Schuh: Rothirschleder im Einsatz bei Wildling.
® wild.soul.kids_photography
Neu bei CORII: Rothirschleder aus Graubünden
Bisher haben wir Hirschleder vor allem für Projekte mit anderen Marken entwickelt und beschafft. Nun nehmen wir erstmals Rothirschleder aus Graubünden in unser eigenes Ledersortiment auf. Das Leder wird in drei Farben erhältlich sein: Schwarz, Dunkelbraun und Indigo. Es gibt zwei Stärken, 1,2–1,4 mm und 1,6–1,8 mm, und es lässt sich auch velourseitig verarbeiten.
Damit eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten für Designer, Hersteller und Marken, die mit einem besonderen regionalen Material arbeiten möchten.
Regionale Materialien brauchen funktionierende Lieferketten
Über regionale Materialien zu sprechen, ist einfach. Sie in gleichbleibender Qualität und ausreichender Menge verfügbar zu machen, ist deutlich anspruchsvoller. Gerade bei Wildhäuten hängt vieles von Faktoren ab, die sich nicht beliebig steuern lassen. Die Jagdsaison ist zeitlich begrenzt, die verfügbaren Mengen schwanken und die Häute unterscheiden sich in Grösse und Beschaffenheit.
Deshalb braucht es eine gute Abstimmung zwischen den Beteiligten: von der Sammlung über die Gerberei bis zu den Unternehmen, die das Leder später verarbeiten. Für uns ist genau das ein wichtiger Teil regionaler Materialentwicklung. Wir möchten nicht einfach neue Leder anbieten, sondern bestehende Ressourcen so erschliessen, dass daraus langfristig nutzbare Materialien und verlässliche Lieferketten entstehen.
Rothirschleder in dunkelbraun.
Was bereits vorhanden ist, besser nutzen
Rothirschleder wird die Herausforderungen der Lederindustrie nicht lösen. Und die regionale Herkunft allein macht ein Material noch nicht automatisch nachhaltig.
Aber die Nutzung einer Haut, die andernfalls entsorgt würde, ist für uns ein sinnvoller Ansatz. Sie gibt einem vorhandenen Rohstoff einen Wert und schafft neue Möglichkeiten für regionale Verarbeitung und Produktentwicklung.
Mit unserem Rothirschleder aus Graubünden möchten wir genau daran weiterarbeiten.
Du entwickelst Schuhe, Taschen oder andere Produkte und möchtest Rothirschleder aus Graubünden einsetzen? Wir beraten dich gerne zu den verfügbaren Qualitäten, möglichen Anwendungen und zur Materialbeschaffung.
