Future Fabrics Expo: schöne Gesichter, offene Fragen
Die Future Fabrics Expo in Brüssel war eine schöne Erfahrung. Ich habe viele bekannte Gesichter getroffen, Menschen, die sich seit Jahren für andere Lieferketten einsetzen. Solche Anlässe und Begegnungen erzeugen ein Gefühl von Zugehörigkeit zu einer Bewegung, die sich wirklich engagiert. Und doch bin ich mit einer Frage nach Hause gefahren, die mich seither begleitet: Wie viel von dem, was hier gezeigt wird, trägt tatsächlich zu echtem Wandel bei?
Was mir aufgefallen ist: Über Reduktion wurde kaum gesprochen. Weniger konsumieren, als Ansatz, als Haltung, kam praktisch nicht vor. Stattdessen lag der Fokus stark auf neuen Materialien: vieles, was im Labor entwickelt wird, künstlich hergestellte Alternativen zu Leder oder anderen Naturmaterialien, dazu viele Lösungen, die auf Recycling bestehender Stoffe setzen. Innovation als Antwort auf alles. Aber brauchen wir wirklich noch mehr neue, technisch aufwändige Materialien, wenn wir als Gesellschaft schlicht zu viel konsumieren? Erhalten solche Entwicklungen nicht manchmal genau den Status quo am Leben, den wir eigentlich verändern wollten?
Ein Talk hat mich dafür umso mehr inspiriert: zu regenerativer Landwirtschaft. Hier wurden Realitäten angesprochen, ohne Umwege. Was bedeutet es wirklich, im Einklang mit der Natur zu produzieren? Welcher Wandel müsste dafür stattfinden, in der Landwirtschaft, aber auch in unserem Verständnis von Produktion überhaupt? Das war für mich der ehrlichste Moment der Expo.
An unserem Stand kamen viele Fragen: nach CO2-Reduktion, nach "veganem Leder", nach Alternativen zu Plastik. Gute Fragen, wichtige Fragen. Aber sie zeigen auch, wo wir als Branche stehen: Wir suchen Ersatzstoffe, neue Technologien, Kompensation. Wir fragen seltener, wo wir eigentlich ansetzen müssten und was echter Wandel von uns verlangen würde.
Zurück auf dem Bauernhof, im Garten, beim Cassis-Ernten mit Musik und einem Glas Rosé, wurde mir wieder bewusst, was für mich eigentlich zählt: nährende Erlebnisse, die bleiben. Nicht das nächste innovative Material, sondern Zeit, Beschäftigung mit Sinn, Nähe zur Natur. Vielleicht ist genau das die Transformation, die es braucht: weg vom Konsum, hin zu dem, was uns wirklich nährt.
